(W) TK 25 von Frankenbach ins „Hinterland“ zur Koppe

Unten ausführlich haben wir im Biebertaler Bilderbogen den ursprünglichen Text von Herrn Döpfer aus einem 20 Jahre alten Freizeitmagazin abgeschrieben.  Da ist einiges nicht mehr aktuell.
So gibt es z.B. das Künstlerhaus Lenz nicht mehr und wie die Wanderwege jetzt um die Koppe herum markiert sind weiß er heute auch nicht. Da ändert sich beständig etwas.
Daher hier vorangestellt:
ein aktueller Text,  der im Amtsblatt der Gemeinde Wettenberg, 33/2020.


Zu dieser Wanderung gibt es einen Film von Volker Schlöndorff aus den Jahr 1971, den man sich unbedingt ansehen sollte, um einen Eindruck vom Leben in dieser Zeit bekommen möchte: „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“ (Ein Trailer ist auf Youtube anzusehen.) Der Film thematisiert das Leben der Bauern und Tagelöhner, die gesellschaftliche Situation und den Postraub im Gladenbacher Land, wie auch die damalige Gerichtsbarkeit in Gießen.

Das von Soldaten bewachte sogenannte „Geldkärrnche“ verkehrt zwei mal im Monat mit herrschaftlichen Geldern, Briefen und Paketen zwischen Gießen und Gladenbach. Am 19. Mai 1822, an einem Sonntag, passiert es, als die Pferde die Postkutsche schwerfällig einen ansteigenden Hohlweg im Wald von Mornshausen im Hinterland von Gladenbach hinaufziehen: acht vermummte Männer stürzen aus dem Dickicht und hinter Bäumen hervor und machen mit Warnschüssen unmissverständlich klar, dass sie den Schatz auf dem Wagen wollen.
Der Postraub im Großherzogtum Hessen gelang, doch Geld macht bekanntlich nicht glücklich. Die Räuber, arme Leute, können mit ihrem plötzlichen Reichtum nicht umgehen und geraten bald in Verdacht. Fünf Täter werden am 25. März 1824 in Gießen zum Tode durch das Schwert verurteilt und am 7. Oktober 1824 öffentlich hingerichtet. Ein ebenfalls beteiligter Landschütz erschießt sich vorher und ein weiterer Räuber erhängt sich im Gefängnis. Nur einem Täter gelingt die rechtzeitige Flucht und auch der Anstifter des Komplotts, der fahrenden Strumpfhändler David Briel, der ohne Haus und Anhang ist, soll sich rechtzeitig nach Amerika abgesetzt und dort eine Strumpffabrik gegründet haben. Die Beute betrug damals 10.466 Gulden.


Der Weg ins »Hessische Hinterland«
… auf den Spuren der armen Leute von Kombach.

Quelle: Ernst Döpfer in

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Hier der ursprüngliche Text:

Ein paar Worte zuvor

Die herkömmlichen Wanderführer und Wegebeschreibungen beziehen sich in der Regel auf Wege, die von Wandervereinen markiert werden. Das macht die Sache für die Wanderer und die Verfasser der Schriften einfach. Kaum einer der „Nutzer“ macht sich noch Gedanken, wie denn die Markierungsschilder an die  Bäume kommen, wieviel Freizeit die ehrenamtlichen Wegewarte aufwenden und was es den Verein (aus Mitgliedsbeiträgen) kostet. Die meisten nicht in einem Wanderverein organisierten und nicht informierten Wanderer kaufen eine Wanderkarte und beanspruchen absolute Vollkommenheit. Die gibt es nicht einmal bei den professionellen „Touristikern“.
Mit nachfolgendem Wandervorschlag soll in doppelter Bedeutung ein „neuer Weg“ beschritten werden. Zum einen ist es ein nicht gekennzeichneter Wanderweg, der so auch noch nicht beschrieben wurde, zum anderen soll sich der interessierte Wanderer den beschriebenen Weg selbst anhand einer topographischen Karte suchen. Das setzt voraus, dass er die Karte „lesen“ kann. Man kann das lernen. Hilfsmittel bietet kostenlos das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation, Wiesbaden an mit der Broschüre „Topographische Karten – Kennen lernen – verstehen – nutzen“. Es ist beim Amt für Bodenmanagement in Marburg  erhältlich. Und nun viel Erfolg bei der Planung und Gestaltung der Wanderung.
Ernst Döpfer, Biebertal-Fellingshausen


Die heimatkundliche Wanderung, die wir hier empfehlen, ist etwa 17 Kilometer lang (dauert also ungefähr fünf Stunden), und beginnt in Biebertal-Frankenbach, geht dann aber aus der Gemeinde- und Kreisgrenze heraus. führt über Seelbach zum Aussichtsturm auf der Erdhausener Koppe und weiter nach Erdhausen.

Die Geschichte der armen Leute von Kombach ist aber spannend und vor allem der Blick von der Koppe zurück zum Dünsberg lohnt sich.

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Da es sich bei auch bei diesem Wandervorschlag von Ernst Döpfer um nicht durch Schilder gekennzeichnete Wege handelt,
ist die Karten sehr wichtig.


Dem Geländeschnitt kann man entnehmen, dass im hügeligen Hinterland einige Höhenmeter zwischen
236 und 446 m über Meereshöhe zu  überwinden sind.
Festes Schuhwerk wird empfohlen, denn die vorgeschlagene Wanderstrecke führt teilweise über unbefestigte Wald- und Wiesenwege.
Zur Orientierung in der Landschaft sollte sich der Wanderer die notwendigen topographischen Karten des Hessischen Landesvermessungsamtes im Maßstab 1 : 25 000 zulegen (Nr. 5317 Rodheim-Bieber und 5217 Gladenbach oder die CD-ROM TOP 25 HESSEN, alles erhältlich auch in den Katasteraätern der Landkreise).
Wie es bei vielen schönen, aber abgelegenen Wandergebieten der Fall, stehen auch hier kaum öffentliche Verkehrsmittel zur Verfugung. Das Organisationsgeschick des Wanderers wird gefordert (Gruppenwanderung mit mehreren Pkw, die auf Anfangs- und Endpunkt verteilt werden).

Wir beginnen unsere Wanderung an der Kirche in Biebertal-Frankenbach, verlassen den Ort in nördlicher  Richtung  über  die Strafe »Im Grund« auf einem asphaltierten  Feldweg.
In der Nähe der Grillhütte ist mit 300 m über NN der erste Anstieg geschafft.
Vor uns liegt eine weite Heckenlandschaft, leicht abfallend zum Dorf Kirchvers. Der Heimatverein Frankenbach hat in seiner Gemarkung Holzschilder mit den Namen der Gewanne aufgestellt.

Folgen wir weiter dem befestigten Weg, vorbei an einem Wildgehege, wird der Wanderer auf das Gewann Gilbertshausen hingewiesen. Es handelt sich um eine im Jahr 1430 ausgegangene Siedlung fränkischen Ursprungs. Ob die Bewohner durch die Pest gestorben oder durch den beginnenden Verdorfungsprozess (ähnlich wie in späterer Zeit der Verstädterungsprozess vorzustellen) die Siedlung verfielen, ist nicht belegt.

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Bei den Fischteichen endet die Wegebefestigung. Wir gehen den Feldweg geradeaus weiter.
Am Waldrand wechseln wir auf die andere, die linke Seite des Bachlaufes.
Der Name des Gewannes (auf dem Holzschild zu lesen) ist Breichte / Braichte in der Karte) und kommt wohl aus dem norddeutschen Sprachgebrauch. Es bedeutet soviel wie Bruchlandschaft, feuchte Stelle, Auwald.

Noch etwa 200 m gehen wir linksseitig am Bach aufwarts, dann in leichtem Bogen nach rechts, auf einem unbefestigten Waldweg bergauf, entlang der Kreisgrenze Gießen/Lahn-Dill- Kreis. Am höchsten Geländepunkt kommt der Kreis Marburg-Biedenkopf hinzu.
An dieser Stelle steht ein historischer Grenzstein aus dem Jahr 1669. Die Initialen sind HC (für Hessen-Cassel, später Kurhessen bis 1866) und HD (für Hessen-Darmstadt, später Großherzogtum Hessen bis 1918). Diese beiden Fürstenhäuser verblieben Philipp des Großmütigen. Landgraf von Hessen (1509-1567) vo seinem Erbe.

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Foto: Döpfer – Historische Grenze
Hessen Cassel – Hessen Darmstadt, 1669

Nun geht es entlang der historischen Grenze weiter in nord-westlicher Richtung.
Nach etwa 150 m zweigen wir ab auf einen Pfad nach rechts in nördlicher Richtung durch einen lichten Hochwald zu einer Schonung. Wir folgen dem Pfad zwischen Hochwald und Schonung steil bergab bis zum »Winderbach«.
Dem Wanderer wird es keine Mühe bereiten, mit einem Sprung den hier noch schmalen Bach zu überqueren.
Auf der Nordseite des Gewässers trifft er auf einen befestigten Holzabfuhrweg. Den geht er in östlicher Richtung, Richtung Weipoltshausen bis zum Waldrand.
Oberhalb eines Fischteiches zweigt der Wanderweg wieder nordwestlich und bachaufwärts ab.
Wenn der Wanderer die nächste Möglichkeit nutzt, um in nördlicher Richtung über diesen Bachlauf zu kommen, kann er das Dörfchen Seelbach nicht verfehlen.

Am  Ortseingang,  dort  wo der »Krebsbach« die Kreisstraße quert, gibt es Tisch und Bank für die  Rast,  direkt  neben  der ehemaligen Viehwaage und dem Backhaus.

Weiter  geht’s  dann  in  nördlicher Richtung, rechts der Kirche in den Burgweg, der uns aus dem Ort heraus in Richtung Teufelsberg bringt.
Diesen Weg nicht verlassen, er führt den Wanderer zwischen Waldrand im Norden und Weideland, mit einzeln stehenden alten Bäumen im Süden, zu einem Abzweig direkt südlich des Teufelsberges.
Über einen unbefestigten Waldweg kommt man zum »Sieben-Wege- Kreuz«, in der topographischen Karte 1:25000 eindeutig zu identifizieren.
Einer dieser Wege in nördlicher Richtung ist unverwechselbar als Hohlweg dargestellt – die Subach, ehemals Post- und Handelsweg zwischen Gießen und Gladenbach (der alte Gießener Weg), bekannt durch eine wahre Geschichte, die sich in den Jahren 1821-1822 tatsächlich abgespielt hat:

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Subach-Hohlweg, Ort des Überfalls auf das Geldkarrnche, 1822, Foto: Döpfer

Sterbensarme Bauern aus Kombach bei Biedenkopf hatten das „Geldkarrnche“ überfallen, das zweimal im Monat die Kurhessischen Steuergelder von Biedenkopf nach Gießen brachte.
Weil der plötzliche Reichtum den Argwohn der Obrigkeit weckte, flog der Coup auf.
Die »Inquisiten« wurden zum Tode verurteilt und im Oktober 1824 in Gießen hingerichtet.

Nun aber auf zum Aussichtsturm!
Der Weg von der Subach zum Aussichtsturm auf der Koppe ist mit Wegezeichen gut markiert.
Nach Belieben des Wanderers nach dem Zeichen G7, etwa zwei Kilometer durch Waldgebiet zwischen Dreisberg und Hemmerich, oder nach dem Zeichen SB (Salzböde-Bergpfad) etwa drei Kilometer immer am Waldrand entlang, nördlich um den Dreisberg herum.

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Foto:wikipedia

Der Koppe-Turm über dem Gladenbacher Stadtteil Erdhausen ist ein beliebtes Wanderziel von dem man einen 360-Grad-Panoramablick über den Naturpark Lahn-Dill-Bergland genießt.
Ein erster Koppe-Turm war bereits 1971 aufgestellt worden brannte später aber ab. Der aktuelle, 16 m hohe, frei zugängige Aussichtsturm wurde dann 1987 aufgebaut.

Vom Aussichtsturm hat man einen herrlichen Rundblick: Diinsberg, Sackpfeife, Angelburg. Bei guter Sicht kann man von hier aus sogar den Feldberg im Taunus sehen.

Auf dem ausgeschilderten Wanderweg G2 kommt man zum Sportplatz Erdhausen
und dann über Feld- und Wiesenwege ins Salzbödetal nach Erdhausen.
Eine Schlusseinkehr im »Künstlerhaus Lenz« ist empfehlenswert – benannt nach Karl Lenz, dem letzten großen hessischen Bauernmaler. In dem ehemaligen Wohn- und Arbeitshaus ist ein Teil seiner Werke noch heute vielen Mensehen zugänglich.

Quelle: Ernst Dopfer, Fellingshausen

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Neben dem oben erwähnten Gilbertshausen war auch die Nachbargemeinde Melmertshausen, ein kleiner Weiler. Auch von ihr ist heute nur noch in Luftaufnahmen das Relief der Häuser und Felder als Bodenmarken zu erkennen.

Diese Bilder sind wiciloc entnommen, die Wolfgang Gerlach eingestellt und als Tour hervorragend bebildert und beschrieben hat.

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Informationen zur Wanderung

·         Mitteilungen aus Geschichte und Heimatkunde des Kreises Biedenkopf vom 6. November 1909

·         „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“
Eine wahre Geschichte: Im Jahr 1821 hatten sieben arme Bauern aus Oberhessen einen Geldtransport überfallen. Weil der plötzliche Reichtum  den Argwohn der Obrigkeit weckte, flog der Coup auf. Volker Schlöndorff machte daraus eine kritische und brillant inszenierte Kriminalballade, die 1971 den Bundesfilmpreis in Gold erhielt und beim Filmfestival in San Sebastian mehrfach ausgezeichnet wurde.

  • Masken, Branntwein und Pistolen – Der Postraub in der Subach; Cornelia Dörr
    aus „Hessen kriminell, Orte des Verbrechens in Hessen“  Jonas Verlag, Marburg

Weitere umfangreiche Informationen im Internet


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